Ein Hispanic aus Chicago, der in Hannover arbeitet und heute flüssig Deutsch spricht, erzählte mir, dass er zwei Jahre lang kein Deutsch gesprochen habe. Auf der Arbeit, wo er bis heute nur Englisch spricht, war er ständig von seinen Deutsch sprechenden Kollegen umgeben.

Erst als er kurz nach der Grenze, in den Niederlanden, an einer Tankstelle Rast machte

und sich bewusst wurde, dass er plötzlich die Leute um ihn herum nicht mehr verstand, wurde ihm über diesen Kontrast klar, dass er bereits sehr viel Deutsch verstand. 

Vielleicht bist Du noch der stumme Goldfisch, der durch eine Glaswand beobachtet und lauscht. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wirst Du aus dem Glas hüpfen wollen, um wie Little Nemo im großen Spanisch sprachigen Ozean auf Abenteuerreise es zu gehen und los zu sprechen.

Das Filter-Ohr

Wenn ich im Zelt auf dem Campingplatz wach werde und noch verschlafen draußen die Stimmen der Nachbarn höre, folge ich sofort einer deutschen Unterhaltung. Bei Stimmen in anderen Sprachen bleibe ich im Schlafmodus, drehe mich noch einmal um und kann  in Ruhe weiter schlafen. Sprechen die Nachbarn holländisch, folge ich neugierig der Unterhaltung und reime mir den Sinn der Wortfetzen zusammen.

Mit Geduld können Dir diese beiden Hörweisen helfen, zunehmend mehr Spanisch zu verstehen. Die Variante des Amerikaners, der ohne Anstrengung und fast absichtslos im Büro sein Hörverstehen geschult hatte, ohne sich darüber bewusst zu sein, kannst Du Dir auf Reisen zunutze machen. Und die Variante des eingeschalteten, neugierigen „Filter-Ohrs“, mit dem Du, wie durch eine Zeltwand, Sprachfetzen versuchst zu entschlüsseln und zu interpretieren, kannst Du nutzen, wenn Du Texte hörst, Filme siehst oder neben einer Gruppe Muttersprachler sitzt.

Realistische Erwartungen haben

Es ist anfangs schwer, im Unterricht vorgespielte Audios zu verstehen, bei denen der Kontext nicht ganz klar ist, sich die Sprecherstimmen ähneln und Du vor allem nicht in Deinem Tempo das Dokument hören kannst.

Auf der Straße, mit Verkehrsgeräuschen im Hintergrund, in einer Kneipe oder gar am Telefon ist es als Anfänger fast unmöglich, einer Unterhaltung zu folgen. 

Beschränke Dich anfangs auf Unterhaltungen, in denen Du einer Person gegenüber sitzt, die Dir geduldig zuhört, deren Mund Du sehen kannst und mit deren Akzent Du vertraut bist. So wirst Du schnell Erfolgserlebnisse haben. Und hab’vor allem nicht den Anspruch, alles zu verstehen. 

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