Was passiert beim Singen?

Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt es so:

Ein Neugeborenes erkennt seine Mutter an seiner Sprachmelodie, das bedeutet, dass das Ohr von Geburt an darauf geschult ist, Intonation wahrzunehmen. 

Beim Singen werden die Emotionszentren des Mittelhirns angesprochen, Botenstoffe ausgeschüttet und die Nervenzellen „gedüngt“. Unsere Angst verschwindet.

Wenn Du unter Stress stehst und Angst hast, werden die Selbstheilungskräfte Deines Körpers unterdrückt. Sobald Du zu singen beginnst,

richtest Du Deinen Körper auf. Allein durch die Einnahme dieser Körperhaltung verknüpft sich Dein Gehirn wieder mit der positiven Erfahrung, die Du als Dreijährige/r gemacht hast. Damals war Singen etwas ganz Natürliches. 

Warum Singen?

Singen führt dazu, dass Du weniger Angst hast, Du seltener krank und schneller wieder gesund wirst. Da es unmöglich ist, unregelmäßig zu atmen und gleichzeitig zu singen, bist Du beim Singen automatisch mit Deinem Atem verbunden.

Sobald Du singst, bist Du also außer Gefahr, in eine negative Stimmung zu verfallen. Es ist möglich, dass Dir Brust und Kehle wie zugeschnürt erscheinen und noch kein freier, sondern ein kratziger, wacklinger Ton erklingt. Dann überlagern ggf. im Körper eingeschlossene Emotionen wie Angst oder Scham den Ton, das Singen selbst ist jedoch niemals der Grund für diese Enge im Hals. Im Gegenteil, es trägt langfristig dazu bei, dass Du sicherer, freier und wieder mit mehr Freude singst. 

Warum auf Spanisch singen?

Die Lieder, die Du im Unterricht oder bei Liederabenden singst, sind kurz und haben einen einfachen, lebensbejahenden Text. Sie sind sogar so kurz und einfach, dass Du sie gleich mitsingen kannst. Wir wiederholen sie so oft, dass Du sie Dir dauerhaft merken wirst.

Das Ritual des Singens bietet Dir einen sicheren Raum, in dem Du in der Schleife wiederholen kannst. Das Singen zu Unterrichtsbeginn hat etwa die Funktion des Aufwärmens beim Sport. Ohne groß nachdenken zu müssen, kannst Du erstmal in der spanischen Sprache ankommen. So wie Deine Muskeln regelmäßig Bewegung benötigen, brauchen auch Deine Stimmbänder und Gesichtsmuskeln Training, da sie im Bereich des Kiefers, der Lippen und der Zunge je nach Sprache, die Du sprichst, unterschiedlich beansprucht werden. 

Während Du singst, brauchst Du nicht kognitiv über die Betonung neuer Wörter und die Bedeutung von Akzenten nachzudenken, wie Du es etwa beim Vorlesen eines unbekannten Textes machen würdest. Die Melodie trägt Dich; das Stück ist schon so komponiert, dass sich die Betonung der Silben wie im Fluß ergibt. 

Da Du beim Singen lauscht, um Dich in Tonhöhe und Lautstärke den anderen anzupassen, reagierst Du automatisch auch sensibel auf die Aussprache der Vorsängerin des Vorsängers. Selbst, wenn Du erst nur Lippenbewegungen machst oder sehr leise und zaghaft mitsingst oder Worte auslässt, wirst Du Dich als Teil der Gruppe fühlen und die positiven Schwingungen wahrnehmen, aufnehmen und mit nach Hause nehmen. Die positiven Sätze von Mantras im Speziellen haben zudem die Kraft, durch Autosuggestion alte Handlungsmuster aufzubrechen. Über Lieder, die fast jeder im spanisch sprachigen Raum kennt, kannst Du Dich schnell mit Menschen auf emotionaler Ebene verbinden, die aus einem anderen Kulturkreis stammen. 

Georg Philipp Telemann schrieb: 

„Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen.“

Ich glaube, dass Singen das Fundament zum erfolgreichen Fremdsprachen lernen ist!

 

 

Literatur: Hüther, Gerald (2007): Singen ist „Kraftfutter“ für Kindergehirne. Die Bedeutung des Singens für die Hirnentwicklung. Expertise von Prof. Dr. Gerald Hüther als Beirat von Il canto del mondo e.V. www.il-canto-del-mondo.de

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